Laut einer in Scientific Reports veröffentlichten Studie könnten die versteinerten Überreste eines unreifen Diplodoziden – eines großen, langhalsigen pflanzenfressenden Sauropoden-Dinosauriers wie eines Brontosaurus – den ersten Beweis für die einzigartige Atemwegsinfektion eines Dinosauriers liefern. Die Ergebnisse erweitern unser Verständnis der Krankheiten, die Dinosaurier heimgesucht haben.
Das Exemplar mit dem Spitznamen Dolly (MOR 7029) wurde im Südwesten von Montana, USA, gefunden und stammt aus dem späten Jura des Mesozoikums (vor etwa 150 Millionen Jahren).
Paläontologen untersuchten drei Halswirbel (Halsknochen) von Dolly und fanden zuvor unsichtbare anomale Knochenvorsprünge von ungewöhnlicher Form und Textur.
Diese Vorsprünge befanden sich im Bereich jedes Knochens, wo sie von luftgefüllten Säcken durchbohrt werden konnten. Diese Luftsäcke würden sich schließlich mit Dollys Lunge verbinden und Teil des komplexen Atmungssystems des Dinosauriers werden.
Ein CT-Scan der unregelmäßigen Vorsprünge zeigte, dass sie aus anormalem Knochen entstanden sind, der sich höchstwahrscheinlich als Reaktion auf eine Infektion gebildet hat.
Basierend auf der Lage dieser abnormalen Knochenvorsprünge spekulieren die Forscher, dass sie sich als Reaktion auf Dollys Atemwegsinfektion gebildet haben, die sich schließlich über die Luftsäcke auf diese Halswirbel ausbreitete und ein ungleichmäßiges Knochenwachstum verursachte.
Die Autoren spekulieren, dass eine solche Atemwegsinfektion durch eine Pilzinfektion ähnlich der Aspergillose verursacht worden sein könnte, einer häufigen Atemwegserkrankung, die heute Vögel und Reptilien befällt und zu Knocheninfektionen führen kann.
Neben der Dokumentation des ersten Falls einer solchen Atemwegsinfektion bei einem Dinosaurier hat die fossile Infektion auch wichtige anatomische Auswirkungen auf das Atmungssystem von Sauropoden-Dinosauriern.
Die fossile Infektion in Dolly hilft uns nicht nur, die Evolutionsgeschichte von Atemwegserkrankungen in der Vergangenheit zu verfolgen, sondern gibt uns auch ein besseres Verständnis dafür, für welche Krankheiten Dinosaurier anfällig waren, sagen die Wissenschaftler.
Die Forscher vermuten, dass Dolly, wenn sie mit einer Aspergillose-ähnlichen Atemwegsinfektion infiziert war, wahrscheinlich grippeähnliche oder lungenentzündungsähnliche Symptome wie Gewichtsverlust, Husten, Fieber und Atembeschwerden hatte.
Da Aspergillose bei Vögeln tödlich sein kann, wenn sie nicht behandelt wird, könnte eine möglicherweise ähnliche Infektion bei Dolly schließlich zum Tod des Tieres führen, fügen die Wissenschaftler hinzu.
Die Studie wurde in Scientific Reports veröffentlicht:
“The first occurrence of an avian-style respiratory infection in a non-avian dinosaur” by D. Cary Woodruff, Ewan D. S. Wolff, Mathew J. Wedel, Sophie Dennison and Lawrence M. Witmer.
2022-02-14 06:57:49
Autor: Vitalii Babkin