Der Evolutionsbiologe Zachary Lewis von der Harvard University entdeckte, dass pletodontide Salamander einen genetischen Code haben, der für die Bildung von Lungen verantwortlich ist. Dies ist überraschend, da sich diese Gruppe von Salamandern dadurch unterscheidet, dass sie durch die Haut atmet und bei Erwachsenen keine Lunge als separates Organ vorhanden ist. Sie erscheinen für kurze Zeit im sich entwickelnden Embryo, bauen sich dann aber ab, wenn der Embryo wächst.
Pletodontiden haben ihre Lungen vor 25 bis 110 Millionen Jahren verloren, und da es heute mindestens 478 Arten gibt, neigen Wissenschaftler dazu, diese Tatsache als einen erworbenen evolutionären Vorteil zu betrachten. Pletodontiden sind die größte Gruppe der Salamander, die über drei Kontinente verteilt sind. Ihr Körper ist mit Schleim bedeckt, der Lungenschleim ähnelt und es ihnen ermöglicht, Sauerstoff durch ihre Haut aufzunehmen.
Zachary Lewis ersetzte die Gewebe rund um die Lungenrudimente im Embryo durch ähnliche, aber vom Typ der Salamander mit Lungen. Dies führte dazu, dass sich die Lungen bei Pletodontiden fast vollständig entwickelten, obwohl sie nicht funktionsfähig blieben. Weitere Studien haben gezeigt, dass Salamander alle notwendigen Mechanismen zur Bildung von Lungen haben, aber dieser Prozess ist genetisch so programmiert, dass er im Anfangsstadium unterbrochen wird.
Der Biologe schlug vor, dass der Beginn des Lungenwachstums mit dem Beginn der Bildung anderer Organe einhergeht, da dafür dieselben Gene verantwortlich sind. Allerdings kommt es dann zu einer Umverteilung der Ressourcen innerhalb des Embryos – wichtige Organe wie das Herz werden weiter ernährt und entwickeln sich weiter. Und unnötige, wie Lungen, sterben ab. Diese Herangehensweise verschaffte Salamandern vor vielen Millionen Jahren einen evolutionären Vorteil, aber es ist möglich, dass ihnen in Zukunft wieder vollwertige Lungen wachsen, wenn sich ihre Lebensbedingungen ändern.
2022-08-29 18:36:11
Autor: Vitalii Babkin