Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat eine bisher unbekannte ausgestorbene Ameisenart entdeckt, die in einem einzigartigen Stück Bernstein aus Afrika eingeschlossen ist. Mit der Röntgenquelle PETRA III am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg untersuchten Biologen wichtige Fossilien von 13 einzelnen Insekten in Bernstein und kamen zu dem Schluss, dass sie keiner bisher bekannten Art zugeordnet werden konnten.
Der der neuen Art und Gattung gegebene Name ist Desyopone hereon gen. Damit würdigen die Wissenschaftler die beiden beteiligten Forschungsinstitute DESY und Hereon, die mit modernsten bildgebenden Verfahren maßgeblich zu diesem Fund beigetragen haben.
Letztendlich konnte die Identifizierung der neuen Art und Gattung nur durch eine Kombination der umfangreichen phänotypischen Daten aus den Scans und den jüngsten Ergebnissen aus der Analyse des lebenden Ameisengenoms erreicht werden.
Erste anatomische Vergleiche führten Wissenschaftler zu der Hypothese, dass es sich bei den Tieren um eine Art Aneuretinae handelte, eine fast ausgestorbene Unterfamilie von Ameisen, die bisher nur aus Fossilien und einer lebenden Art aus Sri Lanka bekannt ist.
Aber sie haben diese Identifizierung dank hochauflösender Bilder aus der Synchrotron-Mikrocomputertomographie erneut aufgegriffen.
Einzigartiger Bernstein
Auch die Datierung des Fundes stellte Wissenschaftler vor einige Probleme, da der äthiopische Bernstein aus dem Miozän selbst so einzigartig ist wie die darin enthaltenen Organismen.
Der Bernstein mit diesen Ameisen stammt aus dem einzigen Bernsteinvorkommen in Afrika, das Fossilien enthält. Von diesem Kontinent sind nur noch wenige fossile Insekten übrig. Obwohl Bernstein von den Einheimischen seit langem als Schmuck verwendet wird, ist seine wissenschaftliche Bedeutung den Forschern erst in den letzten 10 Jahren klar geworden, erklärt Vincent Perricho von der Universität Rennes.
Das Exemplar bietet daher einen heute einzigartigen Einblick in ein uraltes Waldökosystem in Afrika.
Die Bernsteinprobe stammt aus dem frühen Miozän und ist laut Wissenschaftlern zwischen 16 und 23 Millionen Jahre alt. Eine komplexe Datierung von Bernstein war nur indirekt möglich, indem das Alter von fossilen Palynomorphen bestimmt wurde - Sporen und Pollen, die in Bernstein enthalten sind.
Solche Forschungsergebnisse sind nur durch den Einsatz modernster Technologien möglich.
Da das genetische Material von Fossilien nicht analysiert werden kann, sind genaue Daten und Beobachtungen der Tiermorphologie von besonderer Bedeutung.
Umfangreiche Daten lassen sich mit hochauflösenden bildgebenden Verfahren wie der Mikrocomputertomographie gewinnen, bei der mit Röntgenstrahlen alle Schichten einer Probe betrachtet werden.
Da die zu untersuchenden Bernsteinameisen sehr klein sind und auf klassischen CT-Aufnahmen nur sehr wenig Kontrast zeigen, haben wir an unserer auf solche Mikrotomographie spezialisierten Messstation CT-Aufnahmen gemacht, erklären Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Hereon. Dies lieferte den Forschern eine ganze Reihe von Bildern, die im Grunde die untersuchte Probe Schicht für Schicht zeigten.
Gemeinsam erstellten sie detaillierte 3D-Bilder der inneren Struktur der Insekten, die Forscher verwenden konnten, um die Anatomie genau zu rekonstruieren.
Nur so konnten die Details genau identifiziert werden, die schließlich zur Identifizierung einer neuen Art und Gattung uralter Ameisen führten.
Über die Entdeckung wird in der Fachzeitschrift „Insects“ berichtet.
2022-09-06 16:41:44
Autor: Vitalii Babkin