Wissenschaftler haben den Schlüssel zur Wiederherstellung hämatopoetischer Stammzellen gefunden, aus denen die Hämatopoese und Zellen des Immunsystems entstehen. Ihre Verjüngung kann Möglichkeiten in der Prävention und Behandlung vieler altersbedingter Krankheiten eröffnen.
Hämatopoetische Stammzellen führen zur Hämatopoese, verlieren aber mit zunehmendem Alter ihre Funktion, ihr regeneratives Potenzial lässt nach, sodass beispielsweise ältere Menschen anfälliger für Infektionen sind. Forscher aus Deutschland, den USA und den Niederlanden haben den Hippo-Signalweg untersucht und herausgefunden, dass sein Koaktivator, das TAZ-Protein, hämatopoetische Stammzellen vor dem Altern schützen und damit ihren Tod verhindern kann, schreibt Phys.org.
Der Hippo-Signalweg spielt eine zentrale Rolle bei der Geweberegeneration sowie der Krebsentstehung. Es steuert die Zellteilung in Organen und Geweben und sorgt dafür, dass sie die richtige Größe und Form annehmen und beibehalten. Viele seiner Gene werden im Alter aktiviert, aber über die Rolle, die diese Prozesse beim Altern spielen, ist wenig bekannt, erklären die Autoren.
Nach der Analyse der Genexpression in hämatopoetischen Stammzellen von alten und jungen Mäusen fanden sie eine ungewöhnliche TAZ-Aktivität. In alten Zellen fungierte es als Koaktivator des Hippo-Signalwegs und mehrerer hundert anderer Gene.
Dann stellten die Wissenschaftler fest, dass Stammzellen sehr ungleichmäßig alterten – bei älteren Nagetieren konnten Subpopulationen alter und junger Zellen gleichzeitig isoliert werden. Durch die Analyse der Aktivität von TAZ in jeder einzelnen Zelle kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das Protein der allmählichen Alterung entgegenwirken und die Zellen verjüngen kann. Diese Schlussfolgerung wurde auch durch ein weiteres Experiment bestätigt: Vor dem Hintergrund der TAZ-Blockierung verloren die Zellen schlagartig die Möglichkeit, das hämatopoetische System wiederherzustellen.
Jetzt starten Wissenschaftler die nächste Forschungsphase zur Zellverjüngung. Sie erhoffen sich von diesen therapeutischen Strategien neue Möglichkeiten in der Prävention und Behandlung altersbedingter Erkrankungen.
Besonders interessant sind die gewonnenen und weiteren Ergebnisse vor dem Hintergrund einer vorangegangenen Studie britischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass drei Viertel der von gesunden Menschen stammenden Stammzelllinien signifikante DNA-Schäden tragen – in einigen Fällen sogar mehr als bei Tumoren.
2022-10-12 21:15:14
Autor: Vitalii Babkin