Ein australischer Patient mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Bewegungsunfähigkeit war der erste Mensch auf der Welt, der über eine implantierte Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) twitterte – nur indem er über eine Nachricht nachdachte. In Australien wird die Schnittstelle seit letztem Jahr am Menschen getestet, und die amerikanische Regulierungsbehörde hat ihre Tests im vergangenen Sommer genehmigt.
Am 23. Dezember berichtete das in New York ansässige Unternehmen Synchron, dass der 62-jährige Philip O'Keefe, der an ALS leidet, mit buchstäblicher Gedankenkraft über das integrierte Mini-Gerät des Unternehmens twitterte. Für die Veröffentlichung wurde das Konto des Firmenchefs Thomas Oxley verwendet.
Amyotrophe Lateralsklerose tötet buchstäblich Neuronen im Gehirn und Rückenmark ab und lähmt das Opfer. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch unbekannt und es gibt keine wirksame Behandlung.
Das BCI ist ein 8-mm-Gerät, das über die Jugularvene direkt an das Gehirn abgegeben wird. O'Keefe ließ sich im April 2020 ein Implantat setzen, nachdem er krankheitsbedingt seine Bewegungsfreiheit verloren hatte. Es ist bekannt, dass mindestens ein weiterer Patient in der Lage war, einen Computer mithilfe eines Gehirnimplantats mit Gedankenkraft zu steuern.
Investoren des Projekts sind die University of Melbourne, Australien, sowie Khosla Ventures, die US-Militärentwicklungsagentur DARPA und andere Strukturen. Im Juli genehmigte die FDA das Testen der Schnittstelle an amerikanischen Patienten. Damit haben die Entwickler einen Vorsprung gegenüber der Neuralink BCI-Schnittstelle von Elon Musk. Letzteres wurde bereits erfolgreich an Affen getestet, hat aber noch keine FDA-Zulassung erhalten. Neuralink hofft, im Jahr 2022 mit Tests am Menschen beginnen zu können.
2021-12-28 18:45:25
Autor: Vitalii Babkin